Als ich heute aus der Schule kam, wirkten meine Eltern wie ertappt. In ihren Blicken konnte ich es sofort erkennen. Sie haben mein Weihnachtsgeschenk gekauft. Bestimmt hatten sie es gerade erst versteckt, als ich durch die Tür kam. Was wird es wohl sein? Was werde ich dieses Jahr bekommen?

Voller Neugier frage ich natürlich sofort nach. Aber die Antwort weiß ich eigentlich selbst schon, noch bevor mein Vater sie aussprechen kann: „Sei nicht so neugierig!“ Wo sie es wohl versteckt haben? In ihrem Schlafzimmer? Im Keller zwischen den alten Blumentöpfen? Oder vielleicht in der Vorratskammer hinter den Kartoffeln? Fragen über Fragen und doch immer wieder dieselbe Antwort: „Sei nicht so neugierig!“

Aber ist Neugier denn etwas Schlimmes? Warum soll ich nicht so neugierig sein? Gut, meinen Eltern sind meine Fragen unangenehm. Sie haben Angst, dass ich etwas entdecken könnte, was noch verborgen bleiben soll. Dass ich durch meine Neugier vielleicht die Überraschung verderbe. Und so heißt es für mich also warten und geduldig sein – fünf endlos lange Wochen.

Aber warum soll Neugier nicht auch eine positive Eigenschaft sein? Ohne neugierige Menschen gäbe es keinen Fortschritt in der Technik. Ohne Neugier gäbe es keine Autos, keine Computer, keine Waschmaschinen. Ohne die Neugier würde niemand etwas ausprobieren, was er noch nicht kennt. Nur ein neugieriger Mensch schaut einen Film, ohne vorher zu wissen, um was es darin geht. Ohne Neugier würde wohl niemand ein neues Rezept ausprobieren oder sich eine neue Frisur schneiden lassen.

Ohne Neugier wäre es also ganz schön langweilig auf der Welt. Und mit Weihnachten ist es wohl das gleiche. Was wäre Weihnachten ohne fünf Wochen voller Neugier darauf?  Und so beginnen wir unsere J-GCL-Adventszeit mit ganz viel Neugier auf das, was kommen wird.